Harley Benton CLA-28V - Jetzt werden andere Saiten aufgezogen

Harley Benton Custom Line CLA-28V

 

6 Saiten. Jede anders, aber unschlagbar als Team


Ich bin seit ein paar Monaten stolzer Besitzer einer Harley Benton CLA-28V. Klingt für den Außenstehenden erstmal wie ein Abklatsch eines amerikanischen Zweirads und lässt für den Laien auf einen 28 Zylinder-Motor schließen. Weit gefehlt.

Dem American Dream kann man damit bestimmt ein bisschen näher kommen und auf der Route 66 ist diese zierliche 000 Gitarre (Anm. d. Redaktion: Tripple "Oh")  bestens aufgehoben. Nichts desto trotz befinden wir uns jetzt in meinem Wohnzimmer, in einem Haus mitten in der Prärie zwischen zwei nicht wesentlich größeren Ortschaften.
 
Dort steht sie; Die Decke aus Sitkafichte, der Hals aus Mahagoni und der kurvige Körper sowie das Griffbrett aus einer, den Schmetterlingsblütlern abstammenden Holzart: Palisander.

Die 12er Saiten sehen nicht nur gut aus, sie holen aus der Gitarre, in flach gehaltener Auditoriumform auch den besten Sound raus. Warm und durch die Fichte präsent zu gleich. Ein Highlight ist die komfortable Spielweise eines sehr handschmeichelnden Halses, der trotz des 45mm Sattels auch für kleine Hände perfekt geeignet ist.

Ich nehme die Gitarre regelmäßig in die Hand, spiele ein paar Töne und freue mich immer wieder über diese, einmalige Gitarre im Low-Budget-Segment. Sie wirkt auf mich wie eine "Große", martin- oder taylorgleich, spielte ich bisher ein 30 Jahre altes japanisches Ovationimitat.

Die Lust zum Gitarre spielen war lange Zeit sehr gering und motivieren konnte ich mich mit meinem alten Instrument auch nicht mehr. Ich wollte anfangen zu sparen. Geld auf die Seite packen für eine Martin 000-15M. Nachdem ich den Wunsch nach einer neuen Gitarre nicht mehr aus dem Kopf bekam begleitete mich das Thema sehr intensiv für eine zwar überschaubare, aber nervenaufreibende Zeit. Vor allem meine Frau musste auf der Suche nach der richtigen Klampfe viel leiden.

Meine Suche ist mittlerweile beendet, das erwähnte ich bereits eingans. Ich bereue nichts. Die Abstimmung der einzelnen Komponenten aufeinander ist fantastisch und qualitativ habe ich an dem Ding einfach nichts auszusetzten. Ich glaub' ich bin verliebt. Jede einzelne Saite spricht eine Sprache und zusammen durchdringen sie mit süßem Klang den wunderschönen Körper meiner neuen Folkgitarre.



Galerie | Auswahl


kalt und sonnig - Wiesengrund, Retzelfembach
Wein
Epiphone ES339

Epiphone ES339


Fachwerkhaus - Raindorf (Veitsbronn)
Wald in der Dämmerung - Fränkiche Schweiz, Betzenstein
 
Mann auf Gerüst


Bearbeitetes Selfie


Der Alte, Whisky


"Weißt du, wenn in deiner Kehle mehr Whisky runtergelaufen ist, als manche Schnapsbrennerei in Schottland Fässer gefüllt hat, dann hast du verstanden, warum ich hier sitze."


...
Wie jeden Tag laufe ich die dreckige, von Verkehr beherrschte Straße, meines kleinen Vororts entlang. 
Es ist laut. Es riecht wie immer nach Gummi und verbrannten Träumen und Wünschen. Dieselben Menschen eilen mir entgegen, unter Zeitdruck, wie jeden Tag eben. 

Unzufrieden wie immer lehne ich mich an die Ampel, ich betätige den Knopf. Ich bin wohl nicht der einzige stelle ich täglich fest. Ich überlege mir, wie es wohl ist, dieser Knopf zu sein; täglich fassen mich Menschen an, schlagen mich oder lassen mich ignorant hängen. Schnell verfliegt dieser Gedanke. Es ist grün, ich muss weiter.

Auf der anderen Seite der Straße geht es weiter, wie jeden Tag eben.
Ich spüre jedoch etwas Neues, passiert heute irgendwas? Es kribbelt und riecht nach Veränderung. 
Kurz überlegt merke ich, es könnte auch das Essen von gestern Abend gewesen sein.  Mit leicht flauem Magen gehe ich in gewohnter Manier weiter und trotze nach wie vor den Dingen die da kommen.

Es geht weiter, der Bordstein wird immer holpriger, das Straßenbauamt wird wohl auch nur noch das Nötigste machen. Auch wenn der Gehweg noch immer weniger Furchen im Teer als manches Eichenfass im Boden, hat erinnert mich das trotzdem an meine Zeit in der Grundschule und die Hindernisparcours auf dem Schulsportplatz; grausam!

"Die nächste Straße musst du links", flüstert es leise  in meinem Kopf. So stelle ich mir die Stimme eines kleinen, netten Geistes vor. Erschrocken stelle ich fest, es ändert sich nichts, der Ablauf ist immer derselbe. Immer.
Wie jeden Tag eben.

Mit schnellen Schritten biege ich links rein, erledigt. Der Verkehr ist gefährlich an dieser Ecke.
Abgebogen fällt mir auf, wie ruhig es hier wird. Fernab der Hauptstraße, in einer Gasse, merke ich wieder, dass ich Musik höre. Eine Mischung aus Bob Dylan und John Mayer streichelt sanft meinen Gehörgang. Es überkommt mich, das Gefühl aus 60er gepaart mit Blues, gespielt auf einer Fender Custom Shop Stratocaster Black 1. 
Da, rechts hinten auf der Treppe eines leerstehenden Hauses ,erwartet mich der freundliche Vagabund, der ohne Zähne. Ich muss schmunzeln; wie jeden Tag eben.

Ich gehe weiter, werfe dem Mann einen netten Blick zu, lasse ihn jedoch - wie viele den Knopf an der Ampel -  einfach hängen, schenke ihm keine weitere Beachtung. Mir wird schwindelig, alles dreht sich um mich herum. Ich fühle gerade anders als sonst. 
Ich gehe trotzdem weiter, versuche gegen das Gefühl anzukommen. Welches? Das Gefühl das eben hochkommt und mir meinen Alltag stehlen will, das heiß auf meinen Einheitbrei is(s)t. Ich bleibe stehen, schau mich um. 
Es ist wie immer. Ruhe. Mein Blick, suchend und allein, streift weiter durch die verlassene Seitenstraße, ich habe den Drang mich zu setzen. 

Zwischen zwei Autos finde ich einen nicht wirklich komfortablen Platz auf dem Randstein. Ich reiße mir die Kopfhörer aus dem Ohr. "Durchatmen Kollege!", sagt die leise Stimme in mir. Es fühlt sich an wie in einem Raum ohne Luft, ohne Ton und mit Standbild. Ich sitze dort eine Weile als mich wie aus dem Nichts eine Berührung - bestimmt, aber sanft - wieder aufweckt; aus dem Zustand des Träumens ohne Ziel, ohne Inhalt. 

Fortsetzung folgt... (schöpferische Pause beim Autor)