Der Alte, Whisky


"Weißt du, wenn in deiner Kehle mehr Whisky runtergelaufen ist, als manche Schnapsbrennerei in Schottland Fässer gefüllt hat, dann hast du verstanden, warum ich hier sitze."


...
Wie jeden Tag laufe ich die dreckige, von Verkehr beherrschte Straße, meines kleinen Vororts entlang. 
Es ist laut. Es riecht wie immer nach Gummi und verbrannten Träumen und Wünschen. Dieselben Menschen eilen mir entgegen, unter Zeitdruck, wie jeden Tag eben. 

Unzufrieden wie immer lehne ich mich an die Ampel, ich betätige den Knopf. Ich bin wohl nicht der einzige stelle ich täglich fest. Ich überlege mir, wie es wohl ist, dieser Knopf zu sein; täglich fassen mich Menschen an, schlagen mich oder lassen mich ignorant hängen. Schnell verfliegt dieser Gedanke. Es ist grün, ich muss weiter.

Auf der anderen Seite der Straße geht es weiter, wie jeden Tag eben.
Ich spüre jedoch etwas Neues, passiert heute irgendwas? Es kribbelt und riecht nach Veränderung. 
Kurz überlegt merke ich, es könnte auch das Essen von gestern Abend gewesen sein.  Mit leicht flauem Magen gehe ich in gewohnter Manier weiter und trotze nach wie vor den Dingen die da kommen.

Es geht weiter, der Bordstein wird immer holpriger, das Straßenbauamt wird wohl auch nur noch das Nötigste machen. Auch wenn der Gehweg noch immer weniger Furchen im Teer als manches Eichenfass im Boden, hat erinnert mich das trotzdem an meine Zeit in der Grundschule und die Hindernisparcours auf dem Schulsportplatz; grausam!

"Die nächste Straße musst du links", flüstert es leise  in meinem Kopf. So stelle ich mir die Stimme eines kleinen, netten Geistes vor. Erschrocken stelle ich fest, es ändert sich nichts, der Ablauf ist immer derselbe. Immer.
Wie jeden Tag eben.

Mit schnellen Schritten biege ich links rein, erledigt. Der Verkehr ist gefährlich an dieser Ecke.
Abgebogen fällt mir auf, wie ruhig es hier wird. Fernab der Hauptstraße, in einer Gasse, merke ich wieder, dass ich Musik höre. Eine Mischung aus Bob Dylan und John Mayer streichelt sanft meinen Gehörgang. Es überkommt mich, das Gefühl aus 60er gepaart mit Blues, gespielt auf einer Fender Custom Shop Stratocaster Black 1. 
Da, rechts hinten auf der Treppe eines leerstehenden Hauses ,erwartet mich der freundliche Vagabund, der ohne Zähne. Ich muss schmunzeln; wie jeden Tag eben.

Ich gehe weiter, werfe dem Mann einen netten Blick zu, lasse ihn jedoch - wie viele den Knopf an der Ampel -  einfach hängen, schenke ihm keine weitere Beachtung. Mir wird schwindelig, alles dreht sich um mich herum. Ich fühle gerade anders als sonst. 
Ich gehe trotzdem weiter, versuche gegen das Gefühl anzukommen. Welches? Das Gefühl das eben hochkommt und mir meinen Alltag stehlen will, das heiß auf meinen Einheitbrei is(s)t. Ich bleibe stehen, schau mich um. 
Es ist wie immer. Ruhe. Mein Blick, suchend und allein, streift weiter durch die verlassene Seitenstraße, ich habe den Drang mich zu setzen. 

Zwischen zwei Autos finde ich einen nicht wirklich komfortablen Platz auf dem Randstein. Ich reiße mir die Kopfhörer aus dem Ohr. "Durchatmen Kollege!", sagt die leise Stimme in mir. Es fühlt sich an wie in einem Raum ohne Luft, ohne Ton und mit Standbild. Ich sitze dort eine Weile als mich wie aus dem Nichts eine Berührung - bestimmt, aber sanft - wieder aufweckt; aus dem Zustand des Träumens ohne Ziel, ohne Inhalt. 

Fortsetzung folgt... (schöpferische Pause beim Autor)









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